(Tübingen 1585. 4.)
Da dem heiligen Erzvater Abraham seine liebe Sarah entfallen, unangesehen, dass er damals weit über hundert Jahr alt gewesen, auch den von Gott verheissenen männlichen Erben, den Isaak (welcher damalen schon im Ehestande war) hatte, nichts desto weniger hat er sich wiederum verheirathet mit der Ketura (Gen. 25), welche ich auch sechs Söhne geboren hat. Wie viel billiger ist’s, dass junge Leute, sonderlich aber hohe und fürtreffliche Personen, zur Erhaltung des fürstlichen und hohen Geschlechts, auch Friede und Ruhe nicht im Wittwerstand verharren; dieweil auch St. Paulus befiehlt, dass junge Leute, so in den Wittwenstand gerathen, nicht in demselbigen bleiben, sondern sich wiederum in der Furcht Gottes verehelichen sollen (1. Timoth. 5).
Wenn man sich aber wiederum von neuem in den Ehestand begiebt, so will sich’s gebühren, dass den neuen Eheleuten ihr Staat und Gottes Ordnung, so er den Eheleuten gegeben, auch wiederum fürgehalten und wiederholt werden, damit sie daraus erinnert werden, wie sie sich gegen einander sollten halten, dass es Gott wohl gefalle, und sei eine friedliche, freundliche und Gott wohlgefällige Ehe besitzen und haben mögen.
Es hat aber der Allmächtige durch den heiligen, hocherleuchteten Apostel Paulum den Eheleuten diesen Staat und Ordnung gegeben, dass der Mann soll sein Eheweib lieben als sich selbst, ja also, wie Christus seine Gemeine geliebt hat; das Weib aber soll ihrem Ehemanne als dem Herrn Christo selbst gehorsam sein in allen Dingen.
Und ist nichts Unnöthiges, dass St. Paulus den Ehemännern befiehlt, dass sie ihre Weiber lieben sollen, unangesehen, dass selten Zwei im Ehestande zusammenkommen, da nicht zuvor sich grosse Liebe zwischen ihnen befindet. Denn der Apostel redet nicht von einer fliegenden, unordentlichen und unziemlichen Liebe, da man wider Gottes Ordnung einander haben will, welche Liebe gemeiniglich bald verlischt, ja auch oft in grossen Hass verwandelt wird (2. Sam. 13). Es soll auch zwar die christliche Liebe bei allen Eheleuten nicht weniger, denn bei anderen Personen befunden werden. Aber St. Paulus erfordert im Ehestande eine besondere und eheliche Liebe und Treue, dass nämlich der Ehemann sein Weib von Grund seines Herzens liebe, als seinen eigenen Leib, für den er sorget, desselbigen fleissig wartet und was demselbigen zum Nachtheil gereichen möchte, verhütet, und soll diese Liebe so inbrünstig und herzlich sein, dass der Ehemann (wann es von Nöthen wäre) auch sein Leben für sein Eheweib liesse, wie der Herr Christus gethan, der sein Leben für die Gemeinde (welche seine geistliche Gespons ist) gelassen und in den Tod gegeben hat, selbige von dem ewigen Tode zu erlösen. Also sollen auch die Männer ihre Weiber lieben, dass des Mannes Herz an seinem lieben Weibe gänzlich und allein hange; dass er sich lasse ihre Liebe alle Zeit sättigen und sich alleweg in ihrer Liebe ergötze, wie der heilige Geist in den Sprüchen Salomonis befiehlt (Cap. 5).
Wo Solches geschieht, da bleiben die Eheleute in Zucht, Ehrbarkeit und ehelicher Keuschheit alle Zeit und führen einen heiligen, gottseligen Wandel. Denn ihre Herzen bleiben in ehelicher Liebe bei einander und lassen sich nicht anderswohin abwenden, sondern halten einander die eheliche Pflicht treulich und fest, so lange sie leben. Ein solches eheliches Wesen ist ein lustig und lieblich Leben, dafür fromme Eheleute täglich dem Allmächtigen danken. Und wird durch solch lieblich und freundliche Leben das Kreuz, so Gott etwa den Eheleuten auflegt, sehr gemildert und geringert und gleich als mit einem condimento leidlicher und viel träglicher gemacht. Und solche Eheleute haben sich des göttlichen Segens gewisslich zu getrösten und dessen zu gewarten. Denn Gott ist mit Gnaden bei solchen liebreichen, freundlichen Eheleuten und hat daselbst verheissen, wie der Psalm (133) sagt, Leben und Segen in Ewigkeit.
Dieweil sich aber der böse Geist, als ein abgesagter Feind des Ehestandes, befleisst und untersteht, die eheliche Liebe auszulöschen, so soll desselben bösem Fürnehmen durch fleissige Betrachtung des göttlichen Wortes und Gebotes begegnet werden. Denn dieses Gebot Gottes: Ihr Männer, liebet eure Weiber! ist nicht auf etliche Wochen oder Monate, auch nicht auf ein Jahr, zwei oder drei gegeben, sondern es soll in seinen Kräften bleiben, so lange die Eheleute bei einander leben. Denn es ist so Viel, als wenn Paulus, ja Gott der Herr selbst, alle Tage zu dem Manne sagte: Du sollst dein Weib lieben, als dich selbst, wie Christus geliebt hat die Gemeinde. Und soll ein jeder christliche Ehemann dafür halten, dass unser lieber Herr und Gott nicht nur dem Adam seine Heva zugeführt und gegeben, sondern dass eben derselbige getreue Gott auch ihm sein Ehegemahl gezeigt, gegeben, zugeführt und vermählet habe. Denn ein vernünftig Weib kommt vom Herrn (Sprüchw. 19). Und soll ihm ein christlicher Ehemann alle Zeit das Exempel der beständigen Liebe Christi gegen die christliche Gemeine, demselbigen nachzufolgen, fürbilden. Denn wenn unser lieber Herr Christus von uns armen Sündern sich setzen und nicht mit seiner Gnade an uns fest und beständig sollte halten: wie übel würde es mit uns zugehen? Und wer könnte selig werden? Darum soll der Mann seine eheliche Liebe und Treue von seinem Ehegemahl auch nimmer abwenden. Und hat der Ehemann an seinem Weibe die Tugenden und Gaben, so ihr Gott verliehen und sie mit denselbigen gezieret, zu betrachten, auf dass sie ihm desto lieber sei, die menschlichen Schwachheiten aber, Fehl und Gebrechlichkeiten, soll er mit christlicher Geduld und Liebe vertragen und zudecken, in Betrachtung, dass wir alle Menschen und gebrechlich sein. Also wird der Mann sein Eheweib, als sich selbst, herzlicher und beständiger können lieben und ihr jeder Zeit alles Gute und Treue erzeigen. Und dieses ist des Mannes Staat und Gottes Ordnung im Ehestande. Wir wollen auch kürzlich vernehmen, was Gott dem Eheweibe für einen Staat und Ordnung gegeben.
Den Weibern hat Gott befohlen den Gehorsam gegen ihre Ehemänner, zwar nicht einen solchen Gehorsam, wie etwa die Knechte und Diener mit Unwillen und Murren ihren Herren Gehorsam leisten, sondern einen freiwilligen, unterthänigen, herzlichen Gehorsam, da sich nämlich ein christlich Eheweib von Herzen befleisst, ihren Mann zu erfreuen und lustig und fröhlich zu behalten, indem sie alles Das gern und willig thut, was sie weiss, das ihrem Ehemann lieb und angenehm ist, und alles Das fleissig vermeidet, was ihrem Ehegemal zuwider und verdriesslich sei möchte. Von einem solchen verständigen und gottseligen Eheweibe redet der heilige Geist in den Sprüchen Salomonis (Cap. 31), da er sagt: Ihres Mannes Herz darf sich auf sie verlassen. Sie thut ihm Liebes und kein Leids sein Leben lang. Und solcher Gehorsam soll geleistet werden mit rechter Ehrerbietung gegen ihren Ehemann, dass sie wisse, sie diene hierin dem Herrn Christo, wann sie ihrem Ehemann gehorsam ist und ihn in Ehren hält, gleich wie auch Sarah ihren Herrn, den Abraham, nicht allein mit Worten einen Herrn genannt (1. Petri 3), sondern auch mit der That ihn in allen Ehren gehalten und ihn für ihren Herrn, den ihr Gott fürgesetzt, erkannt und geehrt hat.
Aus solchem demüthigen Gehorsam und Bescheidenheit christlicher Ehefrauen gegen ihre Männer erfolget, dass sie von denselben herzlich und inbrünstig je länger, je mehr geliebt werden, je mehr dieselben ihren Gehorsam, Demuth und Fleiss im Werk spüren und befinden. Und hat also ein christlich, demüthig, gehorsam Eheweib ihres Mannes Herz in ihrer Hand, dass er hinwiederum thut, was ihr nützlich, lieb und angenehm ist und sie (wo immer möglich) nicht betrübet, sondern vielmehr, womit er kann, sie erfreuet. Ein solch Eheweib hat ein gut Gewissen gegen Gott und ein fröhlich, ruhig Herz. Denn sie wandelt in ihrem Beruf, lebt nach der Ordnung Gottes und weiss, dass ihr Gehorsam, so sie ihrem Ehemanne leistet, Gott dem Herrn wohlgefällt. Und wenn sich ein christlich Weib also weiss in den Ehestand zu schicken, so hat sie Freud und Lust, bei ihrem Ehemann zu wohnen. Und da gleich der Allmächtige ihr auch ihren Theil Kreuz (mit Gebähren und Erziehung der Kinder) auferlegt, wird es doch Alles viel leichter und träglicher, wenn sich zwei Eheleute mit einander begehen und einander freundlich sind.
Damit aber ein Eheweib obgemeldeten Gehorsam und Unterthänigkeit ihrem Mann desto williger leiste, hat sie gleichfalls zu bedenken, dass Gottes Gebot: Ihr Weiber, seid unterthan euern Männern in allen Dingen! (Ephes. 5) dem Weibe auch nicht auf etliche Tage, Wochen oder Jahre, oder allein in etlichen Sachen, gegeben sei, sondern so lange in seinen Kräften bleiben soll, so lange beide Eheleute bei einander leben, und dass Gott alle Tage zu dem Eheweibe sagt: Du sollst deinem Manne unterthänig sein in allen Dingen. Wider dieses Gebot Gottes lässt sich auch ein verständig Eheweib von Niemand verweisen; denn sie gedenkt, dass Gott der Herr ihr ihren Ehemann zum Haupt gegeben habe. Wenn aber der Leib dem Haupte nicht wollte Gehorsam leisten in Dem, was das Haupt weislich und wohl bedenkt, was würde Dies für eine schädliche Unordnung an dem menschlichen Leibe gebähren? Und würden also die Glieder des Leibes ihnen selbst den grössten Schaden zufügen, wenn sie dem Hause nicht wollten gehorsam sein; inmaassen es auch im Ehestande nicht Nutz bringt, wenn das Weib ihres eigenen Gefallens leben und sich den Mann nicht will regiren lassen. Sonderlich aber hat das Weib zu betrachten, dass sie ihrem Ehemanne zur Gehilfinn erschaffen sei und nicht zur Verhinderniss und Betrübniss. Derwegen ihr auch gebühret, dass sie den Mann mit ihrem Gehorsam, Bescheidenheit und Unterthänigkeit erfreue und erquicke, auf dass ihm alle Mühe, Arbeit und Sorgfältigkeit, so er in seinem Beruf hat, so viel desto leichter und träglicher werde.
Wenn nun der Ehemann sein Weib von Herzen liebet als sich selbst, ja, als Christus geliebt hat die Gemeine und solche Liebe und Treue beständig in seinem Herzen erhält, das Weib aber ihrem Manne unterthänig und gehorsam ist in allen Dingen, so leben sie bei einander gottselig und heilig, in Frieden und Freuden, und werden alle Kreuze dadurch geringert und gemildert. Und wird der Allmächtige jeder Zeit mit seinen Gnaden bei solchen christlichen Eheleuten wohnen und sie mit allerlei leiblichem und geistlichem, himmlischen Segen reichlich und mildiglich begaben. Das verleihe der allmächtige, barmherzige Gott und Vater unseres lieben Herrn Jesu Christi um seines einigen Sohnes willen, durch die Kraft des heiligen Geistes. Amen.
Quelle: Beste, Wilhelm - Die bedeutendsten Kanzelredner der lutherschen Kirche des Reformationszeitalters